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St. Josefshospital Uerdingen - Mittwoch, 07.12.2011
Veränderung der medizinischen Schwerpunkte am St. Josefshospital: Onkologische Gynäkologie wird ausgebaut, Geburtshilfe geschlossen
Uerdingen. „Es ist die Aufgabe eines Klinikträgers, die bestehenden medizinischen und therapeutischen Leistungsangebote immer wieder auf Qualität und Wirtschaftlichkeit zu überprüfen und diese rechtzeitig an den tatsächlichen Bedarf anzupassen“, erläutert Ottmar Köck, Regionalgeschäftsführer der St. Franziskus-Stiftung Münster für die Region Rheinland.
„Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Klinik für Geburtshilfe zum 31. März 2012 zu schließen. Gleichzeitig werden wir die Aufgaben unserer Klinik für Frauenheilkunde ausweiten und von erfolgreichen anderen Entwicklungen im Haus stärker profitieren lassen“. Mit diesen Entscheidungen, so Köck, werde der Standort des St. Josefshospitals in Uerdingen weiter stabilisiert, das medizinische Angebot in den Kernkompetenzen für die Bevölkerung verbessert und langfristig Arbeitsplätze gesichert.
Ausbau der Onko-Gynäkologie
Unter neuer chefärztlicher Leitung von Professor Dr. Björn Lampe sollen die Möglichkeiten der Krebsbehandlung bei Frauen ausgebaut werden. Björn Lampe, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Kaiserswerth, gilt als einer der bekanntesten Operateure im Bereich der gynäkologischen Krebsbehandlung (Onkologie) in Deutschland. Er genießt internationales Ansehen.
Björn Lampe arbeitet bereits seit 2009 als Kooperationspartner des St. Josefshospitals mit Dr. Reinhard Becker, dem bisherigen Chefarzt, zusammen. „Professor Lampe wird seinen Oberarzt, Dr. med. Nikolaos Trifyllis und weitere Fachärzte aus dem Florence-Nightingale-Krankenhaus zu uns mitbringen, um die an Krebs erkrankten Frauen schnellstmöglich und auf höchstem Niveau zu behandeln“, führt Thomas Werner, Kaufmännischer Direktor, aus. Ein umfassender Kooperationsvertrag mit dem Florence-Nightingale-Krankenhaus, in dem Professor Lampe nach wie vor originär als Chefarzt tätig bleibt, regelt diese neue, langfristig ausgelegte Zusammenarbeit.
Vorteile für Patientinnen
„Viele unserer Patientinnen in Düsseldorf kommen schon heute aus der Region Krefeld und vom linken Niederrhein. Diesen Patientinnen bieten wir nun die Behandlung durch mich und mein Team heimatnah an“, so stellt Björn Lampe die Vorteile aus Patientensicht in den Vordergrund. Er schätzt im Rahmen seiner Tätigkeit im Uerdinger Krankenhaus besonders die Mischung aus Professionalität und Kompetenz der Mitarbeiter und Zuwendung zu den Patienten.
Mit der Veränderung in der Gynäkologie werden insgesamt die medizinischen Leistungsangebote des St. Josefshospitals Uerdingen rund um die Behandlung von Krebserkrankungen ausgebaut. Bereits heute finden in den Fachabteilungen der Chirurgie, der Inneren Medizin, der Urologie sowie der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie umfassende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten auf hohem qualitativem Niveau statt. Unterstützung finden die behandelnden Ärzte dabei durch umfassende Kooperationen mit niedergelassenen Fachärzten.
Schließung der Geburtshilfe
„Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel unternommen, die ständig sinkenden Zahlen von Entbindungen bei uns zu stabilisieren. Diese sind von fast 800 im Jahr 2008 auf rund 625 im Jahr 2010 zurückgegangen. Für 2011 rechnet das Hospital mit nur etwa 480 Entbindungen“, erklärt Dr. Jens Westphal, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Das St. Josefhospital verfügt über keine Kinderklinik. Eine solche sei aber für werdende Eltern ein zunehmend bedeutendes Entscheidungskriterium bei der Auswahl eines Krankenhauses zur Entbindung, betont Jens Westphal.
Rückläufige Geburtenzahl
Zusammen mit den generell rückläufigen Geburtenzahlen sei eine Situation entstanden, in der das Haus weiter denn je von den rund 800 Entbindungen entfernt sei, die nach einhelliger Auffassung von Krankenhaus-Experten notwendig seien, um den Strukturanforderungen an eine Klinik für Geburtshilfe dauerhaft zu entsprechen. Die geringe Geburtenzahl erschwere die Gewährleistung der ständig steigenden Qualitätsanforderungen des Gesetzgebers und des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).
„Es fällt uns sehr schwer, diesen Bereich, der immer mit Uerdingen verbunden war, zu schließen“, erklärt Dr. Jens Westphal, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. „Aber wenn die Nachfrage stark zurückgeht, ist es notwendig und richtig, rechtzeitig darauf zu reagieren,“ so der Ärztliche Direktor. Nach dem 31. März 2012 wird es keine Entbindungen mehr im St. Josefshospital geben, auch die Neugeborenen-Station wird geschlossen.
„Wir mussten uns dazu entschließen, proaktiv und mit Blick auf die Zukunft - auch um handlungsfähig zu bleiben“, erläutert Geschäfts-führer Ottmar Köck. Im näheren Umfeld gebe es weiterhin Krankenhäuser mit Geburtshilfe auch in konfessioneller Trägerschaft.
Mitarbeiter können wechseln
Betroffen von der Schließung des Klinikteils sind neben Ärzten die angestellten Hebammen und Mitarbeiterinnen im Pflegedienst. „Wir wollen versuchen, soweit es möglich ist, die Mitarbeiter aufzufangen und ihnen andere Positionen anzubieten - auch in benachbarten Kliniken. In Einzelfällen, gerade im Spezialbereich der Geburtshilfe, werden wir aber auch eine Kündigung aussprechen müssen, so schwer uns das fällt“, erläutert Thomas Werner.
„Dies werden wir dann in Zusammenarbeit mit der Mitarbeiter-Vertretung sozial verträglich gestalten“, versichert Thomas Werner. Er ist sich sicher, dass die Ärzte in der heutigen Situation keine Schwierigkeiten haben werden, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Auch soll betroffenen Mitarbeitern aus dem Pflegedienst die Option eingeräumt werden, in ein anderes Krankenhaus der Stiftung zu wechseln, nach Möglichkeit aber im Rahmen der Fluktuation im Haus zu bleiben.
